Freitag, 8. Mai 2009
08.05.09 La Faba nach Triacastela
Halli hallo halloele..hier bin ich wieder...
gestern gab es leider kein Internet.Nicht nur, dass ich zum Halbtagspilger wurde, nein, jetzt habe ich auch noch kein Internet und somit absolut FREI!!! lach

Der Rechner hier ist auch mal wieder recht "flott", so dass es heute wieder nichts fuer Euch zu sehen gibt.
Ich kann Euch auch schon sagen, dass in der naechsten Zeit nicht all zu viele Internet-Zugaenge auf dem Weg verzeichnet sind...manchmal ist aber doch ein Rechner da...suche mir immer schon die Herbergen aus, wo es einen Rechner gibt...:-)

Dann sage ich mal allen Neulesern hier ein herzliches buen camino aus Triacastelo. Schoen, dass sie hier eingeschaltet haben.

Ich muss jetzt mal an vorgestern so ein bisschen anschliessen. Hatte ja von den Buspilgern berichtet. Gestern habe ich ein tolles Wort fuer diese und alle, die nur mit leichtem Handgepaeck laufen oder jene, welche ihre Rucksaecke mit dem Auto vorschicken. Diese nennt man hier wohl auch Tourigrinos (normalerweise heissen wir hier Peregrinos = spanisch fuer Pilger).

Und ihr werdet es nicht glauben, was ich vorgestern und gestern getan habe: Ich habe Kirchen mit ECHTEN Kerzen gesehen und konnte endlich mal welche anstecken. HURRAAAAAAA
Liebe Sanny, ich glaube fest daran, dass es auf dem Weg jetzt doch hier und da mal echte Kerzen in Kirchen gibt...aber das wichtigste: Die versprochenen Kerzen sind jetzt schon mal am brennen!!!

Gestern morgen habe ich mich mal wieder gefragt, in welchem Film ich ueberhaupt bin.
Gegen 6 Uhr am Morgen muss wohl jemand einen Preis fuer den ersten und schnellsten Pilger mit der schoensten Stirnlampe ausgesetzt worden sein. Jedenfalls bin ich irgendwann wach geworden - ich hatte noch die Stoepsel im Ohr- und da bot sich mir ein total tolles Bild.
Wild wuehlende Pilger mit Stirnlampen auf dem Kopf, raschelnde Papiertueten, hektisches rumkramen in Rucksaecken und packen der Sachen. Da kann ich nur noch grinsen. Und das beste: spaeter standen sie alle draussen und konnten nicht raus, da das Gatter noch zu war...zum lachen.

Auch fuer die gestrige Etappe von Villafranca del Bierzo nachj La Faba (33.1 KM) hatten sich die Organisatoren des "Funparks" Camino etwas besonderes einfallen lassen.
Es war der Camino Duro (also schwerer Camino). Es gab wohl eine Ausweichroute, die waere dann aber wohl "Camino Landstrasse" benannt worden.
Also wir natuerlich, als gute Pilger, rauf auf den Berg. Es sollte die Trainingsstrecke fuer die heutige Etappe auf den O Cebreiro sein.
Es ging richtig steil bergauf. Die Stimmung war, wie immer mal wieder total klasse. Man konnte schoen in die Taeler sehen und die aufgehende Sonne und den beginnenden Tag geniessen. Alles war schoen ruhig und natuerlich waren meine Freunde, die Voegel, und die wohlriechenden Blumen mein steter Begleiter.

So macht der Camino richtig Spass. Es ist ein wunderschoener Morgen und trotz Sonne ist es noch angenehm kuehl (was sich spaeter noch geaendert hat).
Kaum sind wir von ca. 500 Meter auf den kleinen Berg von ca. 800 raufgeklettert, da geht es auch schon wieder runter.
Ganz klar, dass sich so etwas nur irgendwelche Camino-Designer ausdenken koennen ;-)

Unten angekommen duerfen wir dann auch noch ein paar Meter an der vielbefahrenen Landstrasse entlang gehen. Pilger-Romantik pur. Ein dicker Brummi nach dem naechsten...so schoen kann camino sein....

Beruhigend ist allerdings, dass der Weg spaeter dann wieder schoen wurde. Bisschen rauf und runter durch wunderschoene Landschaft. Es koennte hier auch wieder der Odenwald sein. Aber wunderschoen.
Zum Abschluss haben sie uns dann noch einmal einen kleinen Anstieg eingebaut. Jetzt ist es wenigstens auch richtig warm, so dass sich das Duschen hinterher auch richtig lohnt grins

Wir sind dann in La Faba. Ein kleines Nest. Wir gehen in die "schwaebische Herberge". Werden freundlich in Deutsch begruesst. Diese Herberge ist echt total nett. Wie ich spaeter erfahren habe, war es mal das Pfarrhaus. Jetzt eine total schoene und saubere Herberge. Nebenan natuerlich die Kirche. Alles neu renoviert. Nach der etwas einfachen Herberge mit den -fuer mich bisher schlechtesten Sanitaeren Anlagen auf dem Camino- am Vortag ist es hier eine richtige Wohltat!!!

So, und nun in Kurzform den Rest des gestrigen Tages: Duschen, Waschen, Ruhen, Einkaufen, Meditation, Pilgermenue und um 21 Uhr ( ja, ihr seht richtig) im Bett!!! ...und es war immer noch hell draussen.

So und dann komme ich mal zum heutigen Tag.
Der heutige morgen fing total entspannt an.
Gegen 6.45 Uhr stehen wir auf. Die anderen Pilger hatten wohl wieder irgendeinen Startschuss erhalten, wir hatten den aber verpasst. :-)

Es gab von unseren schwaebischen Damen auch ein Fruehstueck. Die hatten noch einen Stuten (so etwas wie ein Rosinenzopf, nur ohne Rosinen) gebacken, den wir heute Morgen essen durften.
Der war lecker.
Heute ist der Himmel ein wenig mit Schleierwolken ueberzogen. Aber insgesamt ist es schoen. Angenehm frisch, nachdem es gestern in der Sonne wirklich total heiss war.
Liebe Gemeinde in Deutschland, ich habe Euch schon mal ein bisschen besseres Wetter zukommen lassen. Hoffe, das funktioniert!!! :-)

Heute ist wieder Spass pur angesagt. Es geht auf den O Cebreiro. Dieser ist so ca. 1300 Meter hoch. Der Aufstieg ist anstrengend, aber die Aussicht entlohnt uns fuer die Anstrengungen.
Und als wir dann oben sind, bietet sich ein wunderschoener Ausblick zurueck und ein interessanter Ausblick nach vorne. Die andere Seite liegt total im Nebel. Wir sind ueber dem Nebel. Hier und da schaut noch ein Berggipfel heraus. Das sieht toll aus.
Manchmal schwappt der Nebel auf die andere Seite der Gipfel..das sieht dann aus, als wenn die "Suppe" ueberkocht. Einfach toll.

Natuerlich muessen wir auf der anderen Seite runter. Somit gehen wir direkt in den Nebel hinein. Etwas kuehl aber dennoch auch interessant.
Nach und nach lichtet sich im Laufe des Morgens der Nebel.
Wir laufen immer wieder durch kleine Bergdoerfer, die wohl hauptsaechlich von der Landwirtschaft leben.

Ach, was ich ja ganz vergessen habe: Kurz vor dem O Cebreiro sind wir heute nach Galicien gekommen.

...und einer der ersten gelben Pfeile war natuerlich auf einem Hinkelstein grins

Wir sind also in der Region, wo sich dann letztendlich auch Santiago de Compostela befindet.

Jetzt wird es fuer die Knie noch einmal hart. Es geht eigentlich staendig bergab bis zu unserem heutigen Ziel, in Triacastelo.

Uns fallen in den letzten Tagen immer mehr Tourigrinos auf und es gibt wohl immer weniger Pilger, die in St. Jean Pied de Port, also vor den Pyreneen, angefangen haben.
Viele haben eben nicht die Zeit, den ganzen Camino, zu gehen, so machen sie das in Etappen. Auch nehmen zurzeit die Fahrradpilger immer mehr zu.

Wir sind dann, nach ca. 27 Kilometern, puenktlich fuer Halbtagspilger, um ca. 12.30 Uhr in Triacastelo.
Es ist nicht mehr so heiss, wie gestern, aber das Wetter ist durchaus schoen.

Galicien ist wohl fuer eher unbestaendiges Wetter bekannt und die weitere Landschaft ist wohl auch eher als bergig zu bezeichnen.

Was ich interessant finde, die Kirchen sehen hier anders aus. Sie sind oft nicht mehr so prunkvoll, eher schlicht. Aber wunderschoen.

Wir haben von hier aus jetzt noch ca. 135 Kilometer bis Santiago vor uns. Somit sind wir wohl in 6-7 Tagen an unserem Ziel angelangt.
Wie sind so langsam alle auf Santiago gespannt, haben aber auch alle ein bisschen bammel davor, wenn der Weg zu ende ist (auch wenn einige noch ans Ende der Welt weiter gehen). Da wird einem schon mulmig.
Man hat sich hier schon ganz schoen an das "Streunerleben" gewoehnt. Jede Nacht schlaeft man an einem anderen Ort.
Mir macht es nichts aus, auch wenn ich natuerlich schon oft auch an zuhause denke.
Auch nach ueber 3 Wochen pilgern habe ich noch keine Sehnsucht nach einem Hotelzimmer. In meinem Schlafsack bin ich ganz bei mir und habe meine "Privatsphaere".

Sonst ist in den letzten beiden Tagen nicht wirklich etwas aufregendes passiert.
Meinen Fuessen geht es gut, der Familie auch. Leider sind Onkel Wim und Theo, unsere beiden fliegenden Hollaender, jetzt ein bisschen voraus. Aber wie ich schon so oft gesagt habe: es geht keiner verloren. Die treffen wir schon wieder!! :-)

Jetzt werde ich meinen freien Tag geniessen ;-)

Ihr hoert von mir. VERSPROCHEN!!! :-)

buen camino
Euer
Thomas

P.S.: bitte seid mir nicht boese, wenn ich von hier keine Karten schreibe. Ich mache das nach dem Motto: Blogg statt Karten :-))

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Mittwoch, 6. Mai 2009
06.05.09 Ponferrada nach Villafranca del Bierzo
Hallo Ihr Lieben Menschen in der Heimat und wo ihr auch immer stecken moeget(moegt???) lach

Ich danke Euch fuer Eure Kommentare. Das bewegt mich schon ein bisschen. Danke danke danke...werde mich bemuehen, Euch weiter auf dem Laufenden zu halten. :-))

Leider gibt es nun heute wirklich keine neuen Bilder fuer Euch. Wir sind hier nun auf ca. 500 Metern Hoehe und das ist hier ein kleines Dorf mit 4100 Einwohnern. Internet ist hier wirklich wieder eine spannende Sache. So, jetzt aber mal wieder von vorne...

Ponferrada. Dort hatten wir nun gestern wirklich einen netten Tag. Gestern abend waren wir in der Basilika von Ponferrada und erhielten mal wieder einen Pilgersegen. Sehr schoen.
Und damit ihr wisst, was der Pilgersegen ist, schreibe ich ihn mal fuer Euch auf. Er ist wohl immer gleich, wird aber meist in spanisch erteilt:

Segen und Gebet fuer den Pilger:
Herr, der Du uns deinen Diener
Abraham aus Chaldea, den Fuehrer
des hebraeischen Volkes durch die Wueste
zum Schutze aller deiner um den Segen
fuer deine Soehne, die aus Liebe, die deinen Namen
preist, nach Compostela pilgert

Sei ihnen Begleiter auf der Wanderung.
Fuehrer an den Wegkreuzungen, Herberge
auf dem Weg, Schatten in der Hitze,
Licht in der Gewissheit fuer ihre Vorsaetze.

Moegen sie, unter deiner Fuehrung,
wohlbehalten, das Ziel ihres Weges
erreichen und voller Kraft in ihre Haeuser zurueckkehren.

Durch Jesus Christus, unseren Herren,
geht im Namen Christi, der selbst der Weg
ist, und betet fuer uns in Compostela. Amen
(es ist eine Uebersetzung, die ich hier abgeschrieben habe, daher das gute Deutsch - Deutsche Sprache, schwere Sprache grins)


Mir ist aufgefallen, dass wir uns bereits ueber Portugal befinden, welches nun suedlich von uns liegt. Wow, kann ich da nur sagen.
Die Temperaturen kommen nun einem Spanien gleich, das auch ihr alle kennt. Es ist wirklich Zeit, dass man seine Etappe moeglichst vor der heissen Mittagssonne beendet. Oder man muesste eine Siesta machen.
Aber wie ich Euch gestern bereits geschrieben habe, haben wir uns zu Halbtagspilgern erklaert.

Heute Morgen sind wir dann schon um kurz nach 7 Uhr auf den Weg gegangen. Ich sage nur immer wieder, der Morgen hat die schoensten Panoramen und schoensten Eindruecke auf dem Weg. Es ist dann immer eine ganz besondere Stimmung!
Die Gerueche sind dann am Morgen auch sehr intensiv.

Die Etappe war heute mal wieder so ca. 25 Kilometer lang. Sie fuehrte uns aus Ponferrada heraus. Seit dem letzten Berg hat sich die Landschaft mal wieder veraendert. Es gibt hier jetzt wieder viel mehr Wein. Die Haeuser sehen anders aus und auch die Vegetation ist eine andere.
Die steinigen Felder von vor ein paar Tagen sind jetzt weg und der Boden sieht wieder viel fuchtbarer aus.

Es geht wieder ein bisschen bergauf und bergab.
Nach 5-10 Kilometern gibt es den ersten Kaffee und was zu essen und dann geht es weiter. Ich laufe heute mal nicht alleine, sondern in Begleitung von Ann-Sophie. Die "Familie" ist vor und hinter uns verteilt. Man merkt jetzt schon den Unterschied, wer erst angefangen hat zu pilgern, oder wer schon laenger auf dem Weg ist.
Gestern in Ponferrada habe ich mal wieder richtig "Fusskranke" gesehen.
Die sind so gelaufen, wie wir vor ca. 2 Wochen gelaufen sind. Ganz schoen eckig und unrund. Einfach nur Aua! Auch gab es wieder Blasenbehandlungen, wie ich sie auch noch in Erinnerung habe. Da waren schoene kaputte Fuesse dabei. Ohjeee
Bei dem jetzigen Wetter erkennt man auch von hinten schon neue und schon erfahrene Pilger. Die neuen haben noch so einen blassen oder roetlichen Schimmer auf der Haut. Die, welche schon laenger unterwegs sind, haben eine ganz andere Hautfarbe...und zwar schoen braun.
Und ein weiteres Erkennungszeichen: neue Pilger sind schon um 6 Uhr wach. Die, jene welche schon seit Woche unterwegs sind, schlafen jetzt etwas laenger und sind ruhiger (was man ja vorgestern bei den italienischen oder spanischen Herren in Foncebadon ganz deutlich gesehen hat!! gell, Petra!! ;-)

Unser aller Fuesse haben sich jetzt schon an die Strapatzen gewoehnt.

So im Laufen stossen wir auf einmal auf eine Horde von Pilgern. Wir sind total verwundert, wo die jetzt alle her kommen.
Auf einmal faellt uns auf, dass die alle mit kleinem Gepaeck oder Handtaeschen pilgern. Aus den GEspraechen koennen wir dann entnehmen, dass sie mit dem Bus unterwegs sind, irgendwo ausgesetzt werden und dann an einem anderen Ort wieder eingesammelt werden.
..und so schnell die da waren, war auch ein grossteil schon wieder im kuehlen Buss verschwunden. grins

Bei solchen Bussen haben wir manchmal das Gefuehl, dass in diesen -beim Vorbeifahren- dann eine Durchsage erfogt, dass man draussen nun "echte Pilger" (ja, die soll es geben) sehen koenne. Also ein bisschen menschlicher Zoo...lach

Aber wir sind Kummer gewohnt...:-))

Nachdem wir den Schrecken mit der "Pilgermasse" ueberwunden hatten, ging es dann auch schon fast dem Ende der heutigen Etappe zu. Wir haben dann in den Weinbergen an einem schattigen Plaetzchen noch ein kleines Paeuschen gemacht....und schwupps war nach kurzer Zeit die ganze "Famlie" wieder zusammen, trudelten eine/r nach dem/der anderen wieder ein...ich sagte ja schon...es geht keiner verloren, auf dem Weg.

Wir sehen auf unserem heutigen Weg auch schon die Berge, die wir dann in den naechsten 2 Tagen zu ueberqueren haben. Nur welcher Berg dieser ganzen Kette es sein wird, das ist noch geheim. So ist das eben in Funparks...lach.

Wir gehen ziemlich deutlich auf den Camino Duro zu...dazu aber ein andermal mehr...

Gegen 12 Uhr sind wir dann in Villafranca del Bierzo. Man nennt es wohl auch das kleine Compostela. Hier gibt es viele Kirchen und eine Burg aus dem 16. Jahrhundert (die ich bis jetzt noch nicht gesehen habe grins). Pilgern wurde frueher hier schon der Ablass der Suenden gewaehrt, wenn sie auf dem Weg erkrankt waren und die Pilgerreise nicht fortsetzen konnten.

Unsere Herberge ist heute mal wieder ein Klassiker. Hier gibt es Jesus, dem heilende Kraefte durch Handauflegen zugesprochen werden. Auch die Aufmachung der Herberge (sie heisst Ave Fenix) ist schon recht nett. Im Schlafsaal fuehlt man sich fast wie bei Heidi oben im Heu..lach

Einzig die Sanitaeren Einrichtungen sind hier nicht ganz so optimal...aber morgen frueh sind wir ja schon wieder weg...
Es herrscht aber ein tolles Ambiente...und ausserdem laeuft die Waesche schon in der Maschine!!! freu freu freu

Ich, der Halbtagspilger, werde mich jetzt mal ein bisschen in die Sonne begeben. WErde meinen freien Nachmittag geniessen. Vielleicht begebe ich mich mal in die heilenden Haende von Jesus. Schaden kann es nichts. :-))

Ich freue mich wirklich, dass Euch mein Blog gefaellt.
Ehrlich!!!

Ich hoffe, dass es Euch allen gut geht! Ich wuensche Euch auch so tolles Wetter, wie wir es hier haben.

Ehrlich gesagt, hatte ich in den letzten Tagen schon auch mal eine kleine Sehnsucht nach zuhause.
Da hier aber immer wieder so viel passiert, geht das schnell wieder vorbei.

Ich fuehle mich immer noch wohl auf meinem Weg.

Danke, dass ihr mich begleitet!!!

buen camino
Euer
Thomas

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Dienstag, 5. Mai 2009
05.05.09 Foncebadon nach Ponferrada
Das ist ja vielleicht ein Ding, mit diesem Blogger.
Wollter der mich doch heute wieder nicht online lassen.
Jetzt bin ich aber da.

Ja, ich bin auch immer ein bisschen traurig (um nicht zu sagen genervt), wenn ich keinen Beitrag schreiben kann.

Liebe Konstanze, ja, ich habe schon darueber nachgedacht, fuer Santiago noch einmal die Taschentuch-Ration aufzustocken....mir wird heute schon ganz mulmig, wenn ich nur daran denke.
Da wird auch ein 31 Kilometer-Mann schwach kicher

Heute Nacht hatten wir im Refugio mal wieder nette Spanier. Heute morgen, kurz nach 6 Uhr haben sie uns alle ihre neuen Taschenlampen vorgefuehrt.
NERV!! Auch die Gespraeche vor dem Aufstehen waren nicht gefluestert. Das haben die hier (aber auch oft die Italiener) nicht noetig. Der Camino gehoert ja denen. Da muss man sich um die anderen Pilger nicht kuemmern.

Wir hatten dann im Refugio ein fulminantes Fruehstueck. Es wurde uns geschnittenes Baguette in einer Plastiktuete hingelegt und drei Glaeser Marmelade auf den Tisch. Zum Fruehstueck hat man dann den Strom abgeschaltet, damit wir auch ja kein Licht anmachen.
Liebe Konstanze, heute morgen habe ich dann in der kaelte von ca 1400 Hoehenmetern, oft an Dich und Deine total liebe Art -du hast dich noch nicht mal getraut, das Licht um 6.30 Uhr im Zimmer an zu machen- gedacht. Eine nette Hospitalera haette auch in diesen kalten Raum total viel Waerme bringen koennen. (ich komme langsam wieder in Fahrt, mit dem Schleimen lach)
Hast Du ueberhaupt unsere Karte von Cemi, Ann-Sophie und mir erhalten (soll ich dich von Ann-Sophie fragen?!)

Jedenfalls ging es dann ziemlich schnell auf den Weg. Heute waren wir ja schon in den Bergen. Noch ein paar Meter hoch steigen und wir waren am Cruz de Ferro. Dies ist der Ort, an dem die Pilger ihre von zuhause mitgebrachten Steine ablegen. Hiermit geht eine Tradition einher, bei der man symbolisch persoenliche Lasten ablegt.
Ich habe mein Steinchen aus Mutters Garten schoen mit ein paar Sachen "gefuellt" und diese dann dort abgelegt.
Da laeuft man gleich wieder ein bisschen leichter :-))

Also wir waren heute ziemlich hoch oben. Die Berge, auf die wir nun schon seit einigen Tagen zugewandert sind, haben wir nun bestiegen und wir sind fast auf gleicher Hoehe mit den schneebedeckten Gipfeln.
Es ist hier auch recht kuehl.

Es geht aber stetig bergab. Da muss man schon sehr auf seine Knie aufpassen, damit diese keinen Schaden erleiden.
im ersten Dorf haben wir dann mal richtig gefruehstueckt. Kaffee und ein grosses Bogatillo mit Schinken. Lecker.

Dann geht es weiter bergab (aber nur in Sachen Weg). Mir geht es gut, es wird immer waermer und man legt eine Schale nach der anderen ab, bis man wieder ganz in Sommerbekleidung laeuft.
Es ist nun ziemlich warm. Nein, ich klage nicht :-))

Es ist hier auf dem ganzen Weg eine Wunderschoene Aussicht und sehr schoene Pflanzen. Der Duft ist einmalig und man erfreut sich richtig am Fruehling.
Ich bin total froh, dass ich hier sein darf und danke jeden Tag dem Herren, dass ich diesen Weg ueberhaupt noch laufen darf. :-)))

Wir kommen dann so gegen 13 Uhr in Ponferrada an. Somit sind wir heute mal wieder Halbtagspilger. Grins.
Den Nachmittag nehmen wir uns doch gleich mal frei. Lach

Auch nach dem Duschen sind die Beine, Fuesse und vor allem die Knie absolut in Ordnung!!!! ich freue mich total.
Die Waesche uebernimmt heute mal wieder die Waschmaschine (wir haben ja frei lach).
Dann gehen wir ein bisschen in Ponferrada bummeln.
Es gibt hier eine alte Templerburg. Auch ansonsten ist das Staedtchen hier recht nett.
Irgendwie hat sich seit Leon die ganze Landschaft und die Orte und Staedte total gewandelt.
Es ist in den Orten nicht mehr so tot. Die Haeuser sind in der Regel renoviert. Auf dem Berg sind es richtige Bergdoerfer gewesen. Ganz huebsch. Vielleicht kann ich euch da noch ein paar Eindruecke nachliefern.

Wie ihr Euch sicherlich denken koennt, denke ich jetzt schon wieder ans Abendessen. habe schon wieder Hunger. Lach.

Heute haben wir darueber gesprochen, dass lt. Reisefuehrer Ponferrada die letzte groessere Stadt/Ort ist vor Santiago. Wir werden dort wohl so in ca. 9 Tagen eintreffen. Von hier aus sind es jetzt noch ca. 215 Kilometer. Uns wird allen schon so langsam bange. Man merkt es auch ganz deutlich, denn im Reisefuehrer sind wir jetzt schon ziemlich weit in der 2. Haelfte des Buches angelangt.
Aber auch damit muss man sich auseinander setzen, auf so einer Reise.

Wir haben in den letzten Tagen auch mal wieder erfahren, warum der Storch auch Klapperstorch heisst. Faellt mir gerade so ein. Wie ich schon berichtete, gibt es hier ja unzaehlige Stoerche. Und was koennen die schoen Klappern...
Seit gestern oder vorgestern wissen wir auch, warum die uns hier so begleiten - denn nichts geschieht umsonst auf diesem Wege. Cornelia, ein Mitglied (oder eine Mitgliedin lach) hat erfahren, dass sie im Dezember Oma wird. Von hier aus meinen herzlichen Glueckwunsch, liebe "bald" Oma. :-)))

...und hier seht ihr (ich glaube nur so halb) die "bald" Oma Cornelia neben mir (mir ist da ein Fehler beim hochladen passiert...sorry)

Eselsohren made by Onkel Wim

Also ihr Lieben, draussen ist herrlicher Sonnenschein. Ich werde mal meinen leichten Sonnenbrand im Nacken behandlen und ich habe jetzt Durst und werde mir mal ein Bierchen genehmigen.
Es warten schon einige, damit ich den Rechner hier frei mache. Somit komme ich fuer heute so langsam zum Schluss.

Soviel von heute vom Camino.

Es gruesst Euch von Herzen
buen camino
Thomas

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